Bericht aus der Badischen Zeitung, Ulrike Spiegelhalter: Das Pfingstkonzert des Musikvereins-Trachtenkapelle Bernau-Außertal erhielt eine besondere Note durch das an diesem Abend mitgestaltete Jubiläumsfest zum 60-jährigen Bestehen der Tanzmusikabteilung “Hans-Thoma-Täler”. Die vielen Besucher im ausverkauften Kurhaus erlebten demzufolge zwei sehr unterschiedliche Konzertteile, dargeboten vom Musikverein im ersten Teil, und danach die Darbietungen der verschiedenen Formationen der Tanzmusiker in den vergangenen 60 Jahren.

Alexander Schönemann, Vorsitzender des Musikvereins und Moderator, freute sich über die vielen Leute im Saal, unter denen er auch ehemalige Tanzmusiker begrüßte, die zum Teil von weiter her angereist waren.

Der Musikverein eröffnete mit seinem Dirigenten Stefan Strittmatter das Konzert mit “Kameraden für immer” von Jörg Bollin, einem sehr schönen, anspruchsvollen Konzertmarsch mit Herausforderungen für jedes Register. In der dreisätzigen Suite “In the Forest oft the King” hat Komponist Pierre La Plante alte französische Volkslieder aufgegriffen, deren unterschiedliche Stimmungen im Wald des Königs vom Musikverein eindrucksvoll und nuanciert vorgetragen wurden.

“Whispers from Beyond” von Rossano Galante schildert eine musikalische Unterhaltung mit einem Jugendfreund, sehr melodisch und einfühlsam und vom Musikverein treffend interpretiert. Nach Griechenland führte die musikalische Reise mit “Greek Folk Song Suite” von Franco Cesarini, fremdländische Melodien, basierend auf Volksliedern und Tänzen aus dem alten Griechenland, mit dem spritzigen typischen Sirtaki am Schluss, schön und temperamentvoll von den einzelnen Registern und vom Orchester wiedergegeben. Mit “The African Sound of Bert Kämpfert” verabschiedete sich der Musikverein und erntete für seine Darbietungen reichlich Applaus, bedankte sich dafür mit einer Zugabe.

Spannend, abwechslungsreich, chronologisch dargeboten schloss sich das 60-jährige Bestehen der “Hans-Thoma-Täler” an, munter und ausführlich erzählt von Felix Fleig, dem Sprecher der Formation. Gegründet wurden die Hans-Thoma-Tal-Musikanten 1958 von neun Musikern des Musikvereins Bernau-Außertal, von Felix Fleig namentlich genannt, die im Oberlehner Bunker probten, einer Garage, in der auch der Leichenwagen untergestellt war…

Eine Reise durch die musikalische Vergangenheit

Sie spielten flotte Tanzmusik nach Konzertauftritten, in Gaststätten, bei Heimatabenden, auch in Nachbargemeinden und sogar auf der Insel Helgoland. Nach 20 Jahren, 1978, haben sie aufgehört.

Für das aktuelle Jubiläum konnte leider keine Formation mehr zusammengestellt werden, gab Felix Fleig bekannt und auch, dass sich im Juli 1979 eine Nachfolge-Formation zusammenfand, die sich komplett namentlich und natürlich musikalisch vorstellte: Elf Musiker, von denen heute noch fünf in der aktuellen Kapelle spielen. Damaliger Leiter war Rainer Strittmatter, der heute noch aktiv ist. Sie waren schon etwas moderner ausgestattet, mit E-Bass und Orgel zogen sie durch die Lande, hatten 1987 einen Auftritt bei der Bundesgartenschau in Düsseldorf, traten in Goslar auf, musizierten bei den Golddörfer-Treffen. Sie heizten auch am Pfingstsonntag den Besuchern tüchtig ein. Mit flotter Musik, mit Potpourris zum Mitsingen und Schunkeln brachten sie Stimmung in den Saal, so recht nach dem Geschmack der Anwesenden, die demzufolge gleich mehrere Zugaben forderten.

Felix Fleig listete weiter die Geschichte der Tanzmusikabteilung vom Außertäler Musikverein auf, deklarierte, dass es mitunter nicht einfach war, an gängige Musikstücke heranzukommen, da in den 1990er Jahren die Zeit der Discjockeys anbrach, Live-Musik wurde immer weniger verlangt.

Dennoch bildete sich in Bernau-Außertal bald eine dritte Formation der Hans-Thoma-Tal-Musikanten, diesmal mit 16 Musikanten, darunter vier Musikerinnen, die auch heute noch aktive Mitglieder in der Kapelle sind. Diese Formation hatte 1997 ihre großen Erlebnisse mit gleich zwei grandiosen Musikreisen: Nach Marokko, wo sie in Rabat vor 900 geladenen Gästen bei einem Empfang in der Deutschen Botschaft musizierten. Und wenig später nach Hongkong, zu einem “Schwarzwälder Abend”. Auch sie unterhielten das Pfingstkonzert-Publikum mit toller, schon etwas modernerer Musik, auch wieder zum Mitsingen, die bestens ankam, wie auch die gewünschten Zugaben.

Auch die aktuelle Formation begeisterte

Nach den Worten des Moderators bildete sich nach einer kleinen Flaute nach dem Pfingstkonzert 2008 die nunmehr vierte, aktuelle Formation, die sich die “Hans-Thoma-Täler” nennt und sich Partybands zum Vorbild nimmt, Blasmusik mit Elektronik mixt und das Publikum auch mit mehrstimmigem Gesang zu begeistern weiß. Sie haben die Tracht gegen Lederhosen und exklusive T-Shirts getauscht, heizen den Zuhörern mit aktuellen Hits ein, fordern sie zum Mitmachen ein, worauf sie nicht lange warten mussten. Kaum war der erste Hit verklungen, strömten die Besucher auf die Tanzfläche vor der Bühne, vergnügten sich bis nach Mitternacht und beschlossen so dieses Pfingstkonzert der besonderen Art.

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